Impfempfehlung

Empfehlung des Nationalen Impfgremiums zur Priorisierung von COVID-19-Impfungen

Version 1.0, Stand: 14.12.2020          Impressum Medieninhaber und Herausgeber:

Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK)

Stubenring 1, 1010 Wien Verlags- und Herstellungsort: Wien Autorinnen und Autoren: Bernhard Benka, Christiane Druml, Katja Fischer, Heidemarie

Holzmann, Ursula Karnthaler, Jean-Paul Klein, Daniela Kohlfürst, Herwig Kollaritsch,

Michael Kundi, Georg Palmisano, Maria Paulke-Korinek, Daniela Philadelphy, Albrecht

Prieler, Monika Redlberger-Fritz, Marton Széll, Barbara Tucek, Ursula Wiedermann-

Schmidt, Karl Zwiauer.  Wien, 2020    Alle Rechte vorbehalten:

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Inhalt

Medizinisch-fachliche Empfehlung zur Priorisierung von COVID-19-Impfungen ……………4

Tabelle 1 Empfehlung zur Priorisierung von Zielgruppen zu COVID-19-Impfungen……….. 5

Tabelle 2 Vorerkrankungen oder körperliche Gegebenheiten mit Risiko für schweren

Verlauf von COVID-19………………………………………………………………………………………………. 7

Tabelle 3 Personal im Gesundheitsbereich nach Tätigkeitsbereichen und dessen Priorität

für eine COVID-19 Impfung ………………………………………………………………………………………. 8

Allgemeine Erläuterungen…………………………..           ……………………………………………………10

Impfungen nach durchgemachter SARS-CoV2-Infektion ……………………………………………. 10

Impfschemata…………………………………………………………………………………………………….  …. 10

Empfehlung des Nationalen Impfgremiums zur Priorisierung von COVID-19-Impfungen Seite 3

Medizinisch-fachliche Empfehlung zur Priorisierung von COVID-19- Impfungen

Die vorliegende Empfehlung tritt in Kraft, sobald eine europäische Zulassung und

Verfügbarkeit von Impfstoffen in Österreich vorliegt.

Im Folgendem wird eine Priorisierung aus medizinisch-fachlicher Sicht empfohlen, um jene

Personen frühestmöglich mit Impfstoffen gegen COVID-19 zu schützen, welche entweder

ein besonders hohes Risiko haben, schwer zu erkranken oder zu versterben oder welche

ein besonders hohes beruflich bedingtes Ansteckungsrisiko bei gleichzeitiger

Systemrelevanz (Gesundheitspersonal, Pflege, etc.) haben. Das Ziel ist es, mit dieser

Priorisierung sicherzustellen, dass unter Berücksichtigung eingeschränkter Impfstoff-

Verfügbarkeit die Krankheitslast durch COVID-19 reduziert wird, schwere Fälle und

Todesfälle vermieden werden und das Gesundheitssystem entlastet wird und die

Impfstoffe dabei gleichzeitig medizinisch sinnvoll, gerechtfertigt und auch ethisch

vertretbar eingesetzt werden.

Man kann annehmen, dass geimpfte Personen auf Grund einer geringeren Viruslast

weniger infektiös sind. Abgeleitet von präklinischen Daten, nimmt man an, dass es auch

durch COVID-19-Impfungen zu einer geringeren Virustransmission kommt, obwohl dies

derzeit noch nicht klinisch belegt ist.

Letztendlich ist die Impfung der unterschiedlichen Personengruppen auch abhängig von

den Produktzulassungen und den Eigenschaften des Impfstoffes und muss laufend

evaluiert werden. Diese Impfempfehlung wird daher basierend auf den jeweils

vorliegenden Daten laufend adaptiert und muss als lebendes Dokument angesehen

werden.

Wegen teils komplexen Lagerungsbedingungen der Impfstoffe und

Mehrdosenbehältnissen kann es in der organisatorisch-logistischen Umsetzung

vorkommen, dass von der medizinisch-fachlichen Priorisierung geringfügig abgewichen

wird, insbesondere um Impfstoff-Verwurf zu vermeiden.

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Tabelle 1 Empfehlung zur Priorisierung von Zielgruppen zu COVID-19-Impfungen

Priorität Personengruppen

1.Priorität • Bewohnerinnen und Bewohner von Alten-und Pflegeheimen1

Sehr hoch • Personal in Alten- und Pflegeheimen mit und ohne Kontakt zu den

Bewohnerinnen und Bewohnern und Personen mit einer regelmäßigen

Tätigkeit oder regelmäßigem Aufenthalt in Alten- und Pflegeheimen

  • Personal im Gesundheitsbereich der Kategorie I (siehe Tabelle 3)
  • Personen im Alter von ≥ 80 Jahren2

2.Priorität • Personen mit Vorerkrankungen3 und besonders hohem Risiko (siehe Tabelle

Hoch 2) und deren engste Kontaktpersonen, besonders, wenn institutionell betreut

sowie in diesen Einrichtungen tätige Personen

  • Personal im Gesundheitsbereich der Kategorie II (siehe Tabelle 3)
  • Personal in der mobilen Pflege, Betreuung und Krankenpflege und 24-h

Pflege

  • Personen im Alter von 75-79 Jahren

3.Priorität •   Personen im Alter von 70-74 Jahren

Erhöht • Personen mit Vorerkrankungen4 mit erhöhtem Risiko (siehe Tabelle 2) und

deren engste Kontaktpersonen, Betreuungspersonal inkl. persönliche

Assistentinnen und Assistenten

  • Asylwerberinnen und Asylwerber in Unterkünften sowie Personal in diesen

Unterkünften

  • Personen in Obdachlosenunterkünften sowie Personal in diesen

Unterkünften

  • Enge Kontaktpersonen von Schwangeren wegen des schweren

Krankheitsverlaufes bei Schwangeren

  • Personal im Gesundheitsbereich der Kategorie III (siehe Tabelle 3)
  • Personal in Sozialberufen/Sozialbetreuung und Seelsorge sowie Bestattung

4.Priorität • Personen im Alter von 65-69 Jahren

Moderat erhöht • Personal im Gesundheitsbereich der Kategorie IV (siehe Tabelle 3)

  • Gesamtes Personal in Schulen, Kindergärten, Kinderkrippen und

Kinderbetreuungseinrichtungen (wie z.B. Kindergartenpädagoginnen und

Kindergartenpädagogen, Lehrerinnen und Lehrer, etc.)

1 Insbesondere um Impfstoffverwurf zu vermeiden oder wenn ausreichend Impfstoff verfügbar ist, sollen

auch die engsten Kontaktpersonen dieser Personengruppe geimpft werden.

2 Insbesondere um Impfstoffverwurf zu vermeiden oder wenn ausreichend Impfstoff verfügbar ist, sollen

auch die engsten Kontaktpersonen dieser Personengruppe geimpft werden.

3 Sofern Impfung möglich/zugelassen

4 Sofern Impfung möglich/zugelassen

Empfehlung des Nationalen Impfgremiums zur Priorisierung von COVID-19-Impfungen Seite 5

Priorität Personengruppen

  • Personen in virusbegünstigenden Arbeitsverhältnissen wie bei Personen

deren Arbeitsverhältnisse beengt oder kühl sind (z.B. bei Saison- und

Leiharbeit wie Erntehelferinnen und Erntehelfer, Personen in

Postverteilzentren, Fleischverarbeitende Industrie oder dergleichen)

  • Personal in Schlüsselpositionen der Landes- und Bundesregierungen und

Beschäftigte in der essentiellen Infrastruktur, insbesondere mit

Personenkontakt wie z.B. Bundesheer, Feuerwehr, Polizei, Öffentliche

Verkehrsunternehmen, Abfallwirtschaft, etc.

5.Priorität • Personen im Alter von 60 -64 Jahren

Moderat • Beschäftigte im Einzelhandel

  • Beschäftige in den Bereichen Gastronomie und Tourismus
  • Personen mit beruflich erforderlicher grenzüberschreitender Reisetätigkeit in

öffentlichen Verkehrsmitteln/Flugzeug

  • Personennahe und nicht-medizinische Dienstleistungen
  • Beruflich Kulturschaffende bei erhöhtem Infektionsrisiko (z.B. Darstellende

Kunst, Film, Musik, etc.)

  • Spitzensportler von Mannschaftssportarten und andere Berufe mit engem

und langdauernden/wiederholten Personenkontakt

6.Priorität • Personen, die Sportarten mit engem und langdauernden/wiederholten

Gering erhöht Personenkontakt im privaten Bereich betreiben (Amateure)

  • Kulturschaffende im privaten Bereich bei erhöhtem Infektionsrisiko

(Amateure/Gesangsverein/Chor, Theaterverein etc.)

  • Personen in Lehreinrichtungen wie Oberstufen/Universitäten mit hohen

Menschenansammlungen

  • Personen mit privat erforderlicher grenzüberschreitender Reisetätigkeit in

öffentlichen Verkehrsmitteln/Flugzeug

7.Priorität • Personen im Alter von 16- < 60 Jahren

Allgemeine Empfehlung Derzeit nicht • Personen <16 Jahre

vorgesehen • Personen mit Kontraindikationen oder fehlender Zulassung für den/die

Impfstoff(e) gemäß den zu erwartenden Fachinformationen (z.B. Schwangere, Stillende)

  • Allerdings wird die Impfung des Umfelds von Personen mit Vorerkrankungen

und Kontraindikation dringend empfohlen, siehe Tabelle 2

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Tabelle 1 Vorerkrankungen oder körperliche Gegebenheiten mit

Risiko für schweren Verlauf von COVID-19

Vorerkrankungen oder körperliche • Trisomie 21

Gegebenheiten mit besonders • Organtransplantierte

hohem Risiko1

  • Personen mit Demenz, geistigen oder körperlichen

Behinderungen in Betreuungseinrichtungen

Vorerkrankungen oder körperliche • Personen mit Demenz oder geistigen Behinderungen

Gegebenheiten mit erhöhtem außerhalb von Betreuungseinrichtungen

Risiko2

  • Personen mit körperlichen Behinderungen, die ein

erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19

zur Folge haben

  • Adipositas (BMI >30)
  • Chronische Hämodialyse
  • Chronische Nierenerkrankung
  • Chronische Lebererkrankung
  • Immundefizienz
  • Diabetes Mellitus
  • Arrhythmie/Vorhofflimmern
  • HIV-Infektion
  • Koronare Herzkrankheit
  • Herzinsuffizienz
  • Zerebrovaskuläre Erkrankungen/Apoplex
  • Autoimmunerkrankungen
  • Chronisch obstruktive Lungenkrankheit
  • Krebserkrankungen
  • Arterielle Hypertonie
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Asthma bronchiale

1 Sofern Impfung möglich/zugelassen

2 Sofern Impfung möglich/zugelassen

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1

Tabelle 2 Personal im Gesundheitsbereich nach Tätigkeitsbereichen

und dessen Priorität für eine COVID-19 Impfung

Aus logistisch-organisatorischen Gründen und basierend auf der Struktur der jeweiligen

Einrichtungen, können sich hier auch Abweichungen ergeben, insbesondere um Impfstoff-

Verwurf zu vermeiden.

Kategorie Personal in medizinischen Beispiele für Einrichtungen Tätigkeiten/Personengruppen I mit besonders hohem Notaufnahme, medizinische Expositionsrisiko Betreuung von COVID-19 Patientinnen und Patienten, Rettungsdienst, testendes Personal, Beschäftigte aus Bereichen in denen infektionsrelevante aerosolgenerierende Tätigkeiten durchgeführt werden, z.B. Abstrichnahme, Bronchoskopie, zahnärztliche Tätigkeit, HNO-ärztliche Tätigkeit, Personal inLabors mit Verarbeitung vonCOVID-19-Proben etc

I mit engem Kontakt zu z.B. Tätigkeit im Bereich der vulnerablen Gruppen Geriatrie,Transplantationsmedizin, Hämato-Onkologie, Geburtshilfe und Neonatologie

II mit hohem Expositionsrisiko2 Infektionsstationen und Bereiche wie z.B. ärztlicher Notdienst, Praxen für Allgemeinmedizin und Pädiatrie, Augenheilkunde, Personal im öffentlichen Gesundheitsdienst mit Personenkontakt sowie Impfendes Personal

III mit moderatem Expositionsrisiko Personal anderer niedergelassener ärztlicher

1 Zum Personal müssen neben den beschriebenen Personengruppen auch Auszubildende, Gast- und

Vertretungspersonal, Praktikantinnen und Praktikanten sowie Zivildienstleistende gezählt werden, für die

diese Empfehlungen je nach eingesetztem Bereich analog gelten.

2 Z.B. wegen zu erwartenden Kontakten mit COVID-19-Verdachtsfällen auf Grund des betreuten

Patientinnen- und Patientenkollektivs, wenn der Mindestabstand nicht gewährleistet sein kann oder ein

intensiver oder länger andauernder Personenkontakt entsteht.

Seite 8 Empfehlung des Nationalen Impfgremiums zur Priorisierung von COVID-19-Impfungen Kategorie Personal in medizinischen Beispiele für Einrichtungen Tätigkeiten/Personengruppen Ordinationen, z.B. aus der Dermatologie, Orthopädie etc.

Personal in Sonderkrankenanstalten und Kuranstalten Reinigungspersonal in Gesundheitseinrichtungen Niedergelassene und mobile nicht-ärztliche  Gesundheitsberufe inkl. Apotheken etc

III in relevanten Positionen zur Mitarbeitende in der IT oder Aufrechterhaltung der Krankenhaustechnik Krankenhaus- und Personal im öffentlichen Gesundheitsinfrastruktur Gesundheitsdienst ohne Personenkontakt

IV mit geringem Expositionsrisiko Personal, welches keine  Patientinnen und Patienten mit Infektionserkrankungen betreut

und keine aerosolgenerierenden Tätigkeiten durchführt

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Allgemeine Erläuterungen Impfungen nach durchgemachter SARS-CoV2-Infektion

Eine Antikörperbestimmung zur Verifizierung des Serostatus soll nicht als

Entscheidungsgrundlage für eine COVID-19-Impfung durchgeführt werden.

In groß angelegten Zulassungsstudien werden sowohl seropositive als auch seronegative

Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer eingeschlossen. Es wird davon

ausgegangen, dass dies keinen Unterschied in der Sicherheit macht. Eine Bewertung

diesbezüglich erfolgt im Rahmen der Zulassung und ein Impfen gemäß jeweiliger

Fachinformation wird empfohlen. Es wird derzeit davon ausgegangen, dass eine Impfung

unabhängig vom Serostatus erfolgen kann. So kann und soll die Impfung auch nach bereits

durchgemachter Infektion erfolgen.

Bei Impfstoffknappheit kann eine Impfung gegen COVID-19 bei Personen nach mittels PCR

gesicherter SARS-CoV-2-Infektion für maximal 3 Monate ab Nachweis der Infektion nach

hinten verschoben werden, da die vorliegenden Daten bei diesen Personen schützende

Antikörper bis 3 Monaten vermuten lassen. Bei ausreichender Impfstoffversorgung

empfiehlt es sich jedoch, die Impfung nach abgelaufener Infektion durchzuführen, da die

Datenlage zu den COVID-19-Schutzkorrelaten zurzeit noch dünn ist.

Bei Sars-CoV2-Infektion/positivem Sars-CoV2-Test ist nach Beendigung der behördlichen

Absonderung von 10 Tagen bzw. nach sicherer Ausheilung bereits eine Impfung möglich.

Impfschemata

Die in ihrer Entwicklung am weitesten fortgeschrittenen Impfstoffe werden nach Angaben

der Hersteller mit zwei Impfdosen getestet. Auch bei Impfstoffknappheit soll aus

momentaner Sicht sichergestellt werden, dass Personen der entsprechenden Zielgruppen

beide Impfstoffdosen im vorgesehenen Intervall erhalten. Eine höhere Anzahl an

Impflingen zu erreichen indem nur eine Dosis verabreicht wird, ist aus derzeitiger Sicht

keine Alternative und wird ausdrücklich nicht empfohlen.

Der Impfstoff der Firma BioNTec/Pfizer wird voraussichtlich in einem Intervall von 21

Tagen verabreicht werden, der Impfstoff der Firma Moderna voraussichtlich in einem

Intervall von 28 Tagen.

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